Kultur

SOWPROP - Zur Ästhetik sowjetischer Propagandakunst
100. Geburtstag - Lesen mit Nabokow
Sergej Tschaikun - ein einzigartiger Vertreter der modernen Kunst Rußlands




SOWPROP - Zur Ästhetik sowjetischer Propagandakunst

Thomas Neumann, Fotograf


Auch heute noch trifft man in Städten, Kleinstädten und Dörfern in den Staaten der ehemaligen Sowjetunion immer wieder auf Werke der Propagandakunst der Sowjetmacht. Die propagandistische Monumentalkunst wurde in den 30er Jahren unter der Kontrolle der KPdSU begründet, und sollte Mittel zur Erziehung der Bürger im Sinne der Macht sein. Monumentalmosaiken, -reliefs und -skulpturen sollten unterbewußt erzieherisch-ideologische Wirkung erzielen. Sie sollten das Selbstbewußtsein der Menschen stärken, sie zu Höchstleistungen anspornen und sie Stolz empfinden lassen, Teil der neu aufgebauten Gesellschaft zu sein. Gleichzeitig gemahnten sie aufgrund ihrer Monumentalität an die individuelle Unvollkommenheit und Kleinheit.

100. Geburtstag - Lesen mit Nabokow

Mareile Ahrndt, Osteuropajournalistin, München


Am 22. April wäre Wladimir Nabokow hundert Jahre alt geworden. Als Schriftsteller war er groß, wenn auch einige seiner Werke umstritten sind. Nabokow war aber auch ein fanatischer Leser. Gogol war sein Lehrmeister, Tolstoi bewunderte er, Puschkin galt seine Liebe, Flaubert beeindruckte ihn, Proust war sein Vorbild. Andere Literaturgrößen stießen auf seine vehemente Ablehnung. Goethe bezeichnete er als Biedermann und Spießer, Dostojewskis grundgute Mörder und Huren fielen ihm auf die Nerven, und Pasternaks süßliches Christentum stieß ihn ab.

Sergej Tschaikun - ein einzigartiger Vertreter der modernen Kunst Rußlands

Jewgeni Talisman, freier Journalist Moskau


Tiefer Charakter, Transparenz, Tragik, inneres Licht, ein absolutes Gefühl für Wahrheit - diese Eigenschaften heben Sergej Tschaikun aus dem Strom der Massenkultur heraus. Der Künstler wirkt in verschiedenen Genres, zu denen die Illustration schöngeistiger Literatur, Karikaturen, Graphiken und Tafelmalerei gehören.

Seine vielfältigen schöpferischen Interessen erklären sich nicht nur aus seinen Fähigkeiten, sondern sein Studium an der Moskauer Hochschule für Architektur prägte die Entwicklung seines künstlerischen Denkens: freie Orientierungsmöglichkeit in den Stilrichtungen, der harmonische Übergang in unterschiedliche künstlerische Dimensionen, ein raffinierter Geschmack.

Tschaikun hat mittlerweile mehr als hundert Bücher bebildert. Seine Illustrationen enthalten keine "blinde" Darstellung des Wortlauts. Sie geben das wider, was dem Text innewohnt, die innere Spannung, den Hauptgedanken. Der ungewöhnliche Charakter der Bebilderungen wird durch die besondere Technik des Illustrators betont, in der er seit fünfzehn Jahren arbeitet: Anilinfarben auf Fotopapier.

Dies gestattet ihm, den lakonischen und kontrastreichen Charakter in leichter und transparenter Darstellung abzubilden, gesättigte Töne mit zarter Feinfühligkeit zu verbinden und unerwartete Effekte durch Anilin-Aquarell- sowie Bleistift-Tusche-Kompositionen zu erzielen.

Die Erkenntnis, daß seine Arbeiten sujet- und illustrations-orientiert sind, hinderte ihn lange, zur Tafelmalerei überzu-gehen. Seine Unabhängigkeit von modischen Strömungen erlaubte ihm jedoch, die Tafelmalerei in einer neuen Verbindung sujetthematischer und konzeptueller Genres zu beginnen.

Seine Werke sind geheimnisvoll kompliziert, allerdings eng mit dem Alltag verbunden, und bilden die komplizierten Beziehungen des Malers zum Alltag ab. Das Konzept der Arbeiten Tschaikuns gründet auf seiner Vision von Gegenständen.

Er ist bestrebt, einen völlig neuen Gegenstand aus bekannten Kombinationen zu schaffen. Es ist kein erfundener Gegenstand, den er bietet, sondern ein durch Assoziation geschaffener, bei der der Gedanke nur durch die bildende Kunst ausgedrückt werden kann.

Die Arbeiten des Künstlers zeichnen sich übrigens nicht nur durch seine Veranlagung zur Konzeptualität aus.

Eine ungewöhnliche, häufig phantasmagorische Vision des Gegenstands, ein neuartiges Kompositionsdenken, die Beherrschung der Farben verbinden sich mit der Einbeziehung von Licht, wie sie nur für Tschaikun typisch ist. Diese Verbindung schafft äußerst hochwertige Arbeiten, die Kunstfreunden und Kennern wirkliche Freude bereiten.


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