Kultur


Aktuelle georgische Literaturszene
von
Lascha Bakradse


Der georgische Publizist Lascha Bakradse befaßt sich in seinem Beitrag mit der zeitgenössischen georgischen Literatur und neuen Autoren. Er meint, daß das literarische Leben seit Jahren gelähmt ist, nicht zuletzt deswegen weil die Schriftsteller sich nicht mit Fragen befassen, die ihre Leser wirklich berühren

Die Sezessionskriege und der Bürgerkrieg in Tblissi, der an der Jahreswende 1991/92 das Stadtzentrum verwüstete, haben das schon seit langem gelähmte literarische Leben zum Stillstand gebracht. In der darauffolgenden Zeit der Anarchie und der totalen Verarmung der Bevölkerung blieb wenig Zeit und noch weniger Lust am Schreiben und Lesen. In den dunklen und kalten Nächten, ohne Heizung und ohne Licht, war die Literatur, zumindest die Gegenwartsliteratur, vielleicht das letzte, was die Menschen interessierte. Sie bot den Menschen nichts, was ihnen in den schwierigen Zeiten hätte Trost bieten oder sie wenigstens die Trübsal hätte vergessen lassen. Zudem erschienen wegen Papiermangel keine Zeitschriften und Bücher. Es gab aber auch keine Nachfrage. Dabei spielte allerdings auch die Haltung der Literaturprominenz eine nicht unerhebliche Rolle. Früher stets im Gefolge von Parteichef Eduard Schewardnadse, dann vom ersten frei gewählten Präsidenten Swiad Gamsachurdia abgelehnt, machten sie wieder Hof beim alten neuen Machthaber Schewardnadse.


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