Wirtschaft

Baku-Tbilissi-Ceyhan - eine wichtige strategische Pipeline [ Abstract ]
Die Eisenbahn - Reform des ältesten natürlichen Monopols [ Abstract ]

aus WOSTOK SPEZIAL: Nowosibirsk
 
Außenhandel - die schweren Jahre sind vorbei [ Volltext ]
Nowosibirsk - Entwicklung eines multimodalen Verkehrsknotenpunktes [ Abstract ]
Sibirische Lasertechnologie auf dem Vormarsch [ Volltext ]
Umfassendes Förderungssystem für die Landwirtschaft [ Abstract ]

Baku-Tbilissi-Ceyhan - eine wichtige strategische Pipeline
von
Irada Agajewa, Journalistin, Baku


Gerade die USA setzten alles daran, daß die Pipeline Baku-Ceyhan gebaut wird - eine Leitung, die das russische Territorium umgeht
 
Die Grundsteinlegung für die neue Pipeline Baku-Tbilissi-Ceyhan wurde im Oktober 2002 feierlich zelebriert. Bereits 2005 sollen die ersten Öllieferungen gen Westen gepumpt werden. Viele Beobachter hatten nicht an die Umsetzung des 1760 Kilometer langen Projekts geglaubt, und Zweifel an der Wirtschaftlichkeit der Pipeline bestehen weiterhin. Nun soll versucht werden, auch die Erdölfelder in Westkasachstan an die Pipeline anzubinden. Denn Kasachstan will bis 2015 seine Jahresfördermenge auf 150 Millionen Tonnen erhöhen und braucht dringend neue Exportleitungen.
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Die Eisenbahn - Reform des ältesten natürlichen Monopols

von
Wladimir Jefimow, Experte der Staatsduma der Russischen Föderation, Moskau


Mit der Eisenbahnreform wird es zur Trennung von Schienennetz und Transportleistungen kommen
 
Kein Verkehrsmittel erfreut sich in der russischen Bevölkerung größerer Beliebtheit als die Eisenbahn. Dies liegt zum einen an den im Vergleich zum Luftverkehr deutlich niedrigeren Tarifen und zum anderen am gut ausgebauten Eisenbahnnetz in ganz Rußland. Nun wurde die Reform des Schienenverkehrs eingeleitet, was in erster Linie die Entflechtung und die Privatisierung von Teilen dieses ältesten natürlichen Monopols bedeutet.
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Spezial: Nowosibirsk
Das Gebiet Nowosibirsk - Im Zentrum Sibiriens und Rußlands

Das Spezial dieser Ausgabe beschäftigt sich erneut mit dem Gebiet Nowosibirsk, das zu den wirtschaftlich potentesten Regionen Rußlands gehört.


Außenhandel - die schweren Jahre sind vorbei

von
Natalja Schukowa, Abteilung für Internationale Zusammenarbeit der Gebietsadministration Nowosibirsk, Nowosibirsk


Nach dem Einbruch der Außenwirtschaftsbeziehungen in den Jahren 1997 bis 1999 geht es im Außenhandel des Nowosibirsker Gebiets in den letzten drei Jahren wieder bergauf, und es wird jetzt bei weitem mehr exportiert als importiert. Ein ganzes Maßnahmenpaket wurde in die Wege geleitet, um alte Beziehungen zu reaktivieren oder auszubauen und neue Kontakte zu knüpfen.

Von 1997 bis 1999 ging im Gebiet Nowosibirsk das Volumen des Außenhandels kontinuierlich zurück. Lag es 1997 bei 725 Millionen Dollar, so waren es 1998 nur 603 Millionen Dollar und 1999 sogar nur noch 538 Millionen Dollar. Ursachen für den Rückgang waren der Einbruch im Handel mit den GUS-Ländern infolge der Finanz- und Wirtschaftskrise und der starke Kursverlust des Rubel gegenüber dem Dollar. Erst im Jahr 2000 stieg der Außenhandel wieder auf 133 Prozent im Vergleich zu 1999.

Die Gebietsverwaltung Nowosibirsk brachte am 29. Januar 2001 mit dem Beschluß Nr. 96 "Neue Richtlinien der internationalen und interregionalen Beziehungen sowie des Tourismus des Gebiets Nowosibirsk für das Jahr 2001" und am 21. Februar 2002 mit dem Beschluß Nr. 172 "Zentrale Aufgaben zur Erweiterung der internationalen und interregionalen Kontakte des Gebiets für 2002" ein Maßnahmenpaket auf den Weg, durch das der Außenhandel 2001 auf 117 Prozent gegenüber 2000 gesteigert werden konnte.


2002 erreichte er nach Schätzungen der Zollbehörden ein Volumen von 962,7 Millionen Dollar (114,7 Prozent gegenüber 2001). Dabei entfielen auf den Export 606 Millionen Dollar (111,6 Prozent) und auf den Import 356,7 Millionen Dollar (114,9 Prozent). Die Waren sind im wesentlichen die gleichen geblieben. Beim Export hatte der Maschinenbau einen Anteil von 65,7 Prozent, die Lebensmittelindustrie von 12,8 Prozent, die Chemische Industrie von rund 7,3 Prozent, die Metallurgie von knapp fünf Prozent und die Holzwirtschaft von 2,4 Prozent. Beim Import ergab sich folgendes Bild: 56 Prozent der Importe waren chemische Erzeugnisse, 22,9 Prozent Maschinen und Ausrüstungen und zehn Prozent Lebensmittel.

Außenhandelsverträge mit neuen Partnern rund um den Globus stimulierten in den Jahren 2000 bis 2002 die internationalen Kontakte und den Absatz. Involviert waren ungefähr 1270 Nowosibirsker Unternehmen, die in 87 Ländern Geschäfte tätigten.

Was waren nun in diesen Jahren die wichtigsten Aktivitäten zur Ankurbelung der Außenwirtschaft? Viele ausländische und russische Delegationen wurden im Gebiet empfangen und Geschäftstreffen mit Auslandsvertretern veranstaltet. Genauer gesagt, haben in diesen drei Jahren 129 ausländische Delegationen das Nowosibirsker Gebiet besucht. Im Jahre 2002 kamen sie aus Bulgarien, Italien, der Mongolei, aus Slowenien, Korea, den USA, Polen und Deutschland.

Aufmerksamkeit schenkte man der Präsentation des Gebiets in ausländischen Handelskammern. So stellte sich das Gebiet im Dezember 2002 in der Russisch-Britischen Handelskammer und ebenfalls in 2002 in der US-Handelskammer vor.

Impulse für den Ausbau und die Erweiterung von Kontakten gingen von der Beteiligung einheimischer Unternehmen an internationalen Ausstellungen und Messen und ihrer Teilnahme an Handelsdelegationen im Ausland aus. Besucht wurden unter anderem die Ausstellungen und Messen in Österreich (Wien), im Irak (Bagdad), in Slowenien, im Iran, in Italien (Mailand), in China (Peking, Schenian, Shanghai, Harbin) und in Deutschland (Hannover, Nürnberg). Besuche von Delegationen unter Leitung von Gouverneur Viktor Tolokonski in Deutschland im Rahmen der "Sibirischen Tage in Deutschland" im Jahre 2000, die Präsentation des Gebiets in Mailand im Jahre 2001 und die Messeteilnahme in Harbin im Jahre 2002 belebten den Export in diese Länder beachtlich. Wurden nach Deutschland im Jahre 2000 Waren im Wert von 3,7 Millionen Dollar geliefert, so lag dieser Wert in 2002 bei sechs Millionen Dollar. Bezogen auf Lieferungen nach Italien lag das Exportvolumen 2000 bei 1,2 Millionen Dollar und 2002 bei 4,7 Millionen Dollar. Nach China wurden 2001 Waren im Wert von 7,9 Millionen Dollar und 2002 im Wert von 10,2 Millionen Dollar geliefert. Nachdem eine Nowosibirsker Abordnung nach fünfjähriger Handelspause im Jahre 2001 erstmals wieder den Irak besucht hatte, wurden Waren im Umfang von zwei Millionen Dollar dorthin geliefert.

Aber auch die Durchführung internationaler Seminare und Konferenzen sowie die Ausrichtung von Ausstellungen und Messen im Nowosibirsker Gebiet brachten gute Ergebnisse. In den drei Jahren wurden mit Unterstützung der Gebietsadministration und unter Teilnahme ausländischer Partner 25 Seminare, Konferenzen und Diskussionsforen durchgeführt. Nach einem Arbeitsplan des Russisch-Österreichischen Ausschusses für Handel und Wirtschaftskooperation hielten sich vom 30. Juni bis 7. Juli 2002 Beamte aus der Stadt Nowosibirsk und einigen ländlichen Regionen zu einem Praktikum im Ministerium für Wirtschaft und Arbeit in Wien auf.

In Nowosibirsk finden jährlich mehr als hundert Ausstellungen und Messen statt, die von der Ausstellungsgesellschaft "Sibirische Messe" organisiert werden und auf denen sich Firmen aus dem fernen und dem nahen Ausland sowie aus den Regionen Sibiriens und des Fernen Ostens präsentieren. Rund 300000 russische und 5000 ausländische Besucher zeigten reges Interesse. Seit Bestehen der "Sibirischen Messe" nahmen mehr als 50000 Aussteller die Einladungen der Messegesellschaft an. Die Realisierung regionaler Projekte und regionaler Komponenten des TACIS-Programmes der EU wird weiter vorangetrieben. Bis Ende 2003 sollen 52 Projekte abgeschlossen sein.

Das Gebiet investiert zudem in den Infrastrukturausbau der internationalen Zusammenarbeit, um den Export einheimischer Firmen anzukurbeln. So gewährleistet die Gebietsverwaltung die effektive Tätigkeit des Wirtschafts- und Informationszentrums in Frankfurt und seine Kooperation mit Nowosibirsker Unternehmen und Organisationen. Als ein Beispiel von vielen ist die Zusammenarbeit des Maschinenbauunternehmens "Sibselmasch" mit der deutschen Firma Schmidt und Kranz bei der Produktion von Bergbauausrüstungen zu nennen.

Durch Vermittlung des Zentrums in Frankfurt besuchten immer wieder Interessierte aus Deutschland das Gebiet, darunter eine Gruppe von Context TV für Dreharbeiten im Auftrag des ZDF. Nach Aufenthalten von Journalisten erschienen Beiträge in deutschen und österreichischen Fernseh- und Rundfunksendern sowie in den Printmedien wie der Frankfurter Rundschau, der Augsburger Allgemeinen, der Stuttgarter Zeitung und der Frankfurter Allgemeinen sowie in den Magazinen Focus und Capital.

Im Juni 2000 eröffnete die italienische Botschaft in Nowosibirsk eine Außenstelle ihrer Handelsabteilung mit dem Ziel, neue Kontakte zu knüpfen und der Zusammenarbeit zwischen italienischen und Nowosibirsker Unternehmen neuen Schwung zu geben. Seit vorigem Jahr bietet der Kurierdienst "Elf-91" mit Sitz in Nowosibirsk Reisenden in die USA die Ausstellung von Visa an. Bereits beschlossen ist die Einrichtung eines Generalkonsulats der Republik Bulgarien im Nowosibirsker Gebiet in diesem Jahr. Auch die Eröffnung eines französischen Kulturzentrums und eines British Councils sind für 2003 geplant.

Wichtig für die Ankurbelung der Außenwirtschaftstätigkeit ist die Informationsvermittlung zur Vermarktung einheimischer Produkte auf dem Weltmarkt. Zu diesem Zweck wurden 2001, 2002 und 2003 Kataloge von für den Export bestimmten Waren und Dienstleistungen zusammengestellt. In diesen wurden darüber hinaus Investitionsvorhaben, neue Produkte, Technologien und Erfindungen vorgestellt. Eine Internetseite wurde eingerichtet, die über Exportangebote, Investitionsprojekte und internationale Veranstaltungen, die die Gebietsverwaltung anbietet, sowie über gesetzliche Regelungen der internationalen und der Investitionspolitik des Nowosibirsker Gebiets informiert. Vieles haben wir bereits geschafft, doch gibt es auch ungelöste Probleme. Seit im Dezember 2001 neue Bestimmungen herausgekommen sind, ist es sehr kompliziert, die Mehrwertsteuer für Exporte erstattet zu bekommen. Dazu müssen die Exporteure den Steuerbehörden eine Vielzahl von Dokumenten vorlegen. Zur Zeit liegt der russischen Regierung ein Antrag auf Nachbesserungen dieser Bestimmungen vor.

Und natürlich liegen noch viele Aufgaben vor uns. Wichtig für die Intensivierung der internationalen Beziehungen im Jahre 2003 sind der Ausbau der Handels- und Wirtschaftsbeziehungen, der wissenschaftlich-technischen und kulturellen Zusammenarbeit mit Ländern des fernen und nahen Auslands sowie die Steigerung des Exports auf 661 Millionen Dollar, also um fast zehn Prozent. Um diese Ziele zu erreichen, sollen die Handels- und Wirtschaftsbeziehungen mit den wichtigsten Partnerländern ausgebaut, verstärkt die Märkte für Landwirtschaftstechnik und -erzeugnisse, für Fertigprodukte aus dem Geräte-, Maschinen- und Werkzeugmaschinenbau, für Präzisionstelemetrie, für wissenschaftliche und technische Innovationen, für Mikrobiologie und Pharmakologie erschlossen werden.

Es gilt, wirksame Mechanismen zur umfassenden Unterstützung der einheimischen Exporteure bei der Produktvermarktung auf dem Weltmarkt zu schaffen. Das Image des Nowosibirsker Gebiets als investitionsfreundliches Föderationssubjekt muß gepflegt werden. Schließlich müssen für ein weiteres Wachstum der Exporte des Gebiets das wissenschaftlich-technische Potential und die neuen wissenschaftsintensiven Technologien für den ex- und importorientierten Maschinenbau verwertet werden. Wir wollen zudem unser Bildungssystem für aktivere internationale Kontakte wissenschaftlicher Einrichtungen und Lehranstalten nutzen. Es gilt, den Studierenden- und Aspirantenaustausch, Austauschpraktika und gemeinsame Forschungen mit führenden Forschungszentren und Lehranstalten im Ausland zu fördern. Zudem wollen wir das internationale Kooperationsnetz und die Verkehrsinfrastruktur des Gebiets für die Konkurrenzfähigkeit der Exportgüter und -dienstleistungen optimaler nutzen.
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Nowosibirsk - Entwicklung eines multimodalen Verkehrsknotenpunktes

von
Konstantin Komarow, Rektor der Universität für Transport, Nowosibirsk


Die umfassende Entwicklung Sibiriens ist ohne die Entwicklung einer gut ausgebauten Verkehrsinfrastruktur undenkbar. Das ist eine Binsenwahrheit. An der Nowosibirsker Universität für Transport wird bereits seit einigen Jahren an einem Programm zur Entwicklung eines multimodalen Verkehrsnetzes gearbeitet.
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Sibirische Lasertechnologie auf dem Vormarsch

von
Juri Plotnikow, Mitarbeiter der Zeitschrift "Wissenschaft in Sibirien", Nowosibirsk


Die Sibirische Abteilung der Russischen Akademie der Wissenschaften genießt in der Fachwelt einen hervorragenden Ruf. Am Institut für Theoretische und Angewandte Mechanik wurde ein automatisierter Laserkomplex für das Schneiden von Metall entwickelt, der in einigen Unternehmen bereits industriell genutzt wird. Mit der Weiterentwicklung der Lasertechnologie zeichnet sich eine grundlegende Wende in der Materialbearbeitung ab. Denn die Lasertechnologie bringt unter anderem höhere Arbeitsproduktivität, Zeitersparnis und niedrigere Kosten in der Produktion.

Im Nowosibirsker Werk für Chemische Konzentrate wurde ein automatisierter Laserkomplex zum Schneiden von Metall installiert. Entwickelt haben diese Hoch-technologieanlage Mitarbeiter des Instituts für Theoretische und Angewandte Mechanik im Rahmen des Förderprogramms zur Einführung wissenschaftlicher Neuerungen der Sibirischen Abteilung der Russischen Akademie der Wissenschaften in Betriebe des Ministeriums für Atomenergie der Russischen Föderation. Diese Neuentwicklung der sibirischen Wissenschaftler ist eine für die industrielle Nutzung optimal geeignete, weil leistungsstarke und zuverlässige Anlage mit niedrigen Eigenkosten, effektiver Arbeitsweise und leichter Bedienbarkeit.

Besonders erfolgreich waren die Nowosibirsker Wissenschaftler bei der Konstruktion eines ganz besonderen Resonators. Unter einem Resonator versteht man ein System optischer Spiegel, das den Laserstrahl erzeugt. Seit 1972 beschäftigt man sich am Institut mit dem Laser. In dieser Zeit wurden weltweit verschiedenartige Resonatoren entwickelt, darunter sehr simpel konzipierte. Alle Konkurrenten gingen beim Bau standfester Resonatoren den einfachsten Weg. Infolgedessen existieren ausgezeichnete Laser, deren Leistung jedoch auf ungefähr drei Kilowatt beschränkt ist. Die weitere Leistungssteigerung ist bei gleichzeitiger Beibehaltung einer hohen Strahlungsqualität aufgrund physikalischer Gesetze unmöglich. Für eine höhere Leistung bedarf es eines sogenannten Mehrmoden-Regimes. Dann aber läßt sich der Strahl nicht mehr auf einen kleinen Durchmesser fokussieren. Im Einmoden-Regime wird die Strahlung zu einem Punkt mit einem Durchmesser von hundert Mikron gebündelt. Soll mit dem Laser auf Material eingewirkt werden, kommt es auf seine Leistungsdichte an, gemeint ist die Dichte pro Quadratdurchmesser. Wird die Leistung des Lasers von einem auf etwa fünf bis zehn Kilowatt erhöht, beträgt der Durchmesser des Strahls schon nicht mehr nur hundert Mikron, sondern einen halben Millimeter. Damit schwächt sich aber zugleich die Wirkung auf das Material ab. Deshalb beschränkt sich, auch wenn in Werbeprospekten zehn bis zwanzig Kilowatt starke Laser angepriesen werden, die real schneidbare Materialdicke auf zwanzig Millimeter, denn selbst eine höhere Leistung macht es nicht möglich, dickere Schichten zu schneiden. Ende 2002 kam aus den USA die Meldung vom gelungenen Laserschnitt eines fünfzig Millimeter dicken Materials, allerdings wird bei dieser Technologie der Laser nur zum Erhitzen des Metalls auf tausend Grad Celsius benutzt, der eigentliche Schnitt erfolgt dann mittels flüssigem Sauerstoff. Diese Methode eignet sich wegen der mangelhaften Genauigkeit allerdings nur zur Herstellung von Rohlingen. Im Grunde kann sie mit dem allgemein üblichen und von der Rohlingsproduktion bekannten Plasmaschnitt konkurrieren.

Fachleute des Instituts für Theoretische und Angewandte Mechanik haben als einzige in der Welt einen prinzipiell anderen, selbstfilternden Resonator entwickelt, patentiert und in Betrieb genommen. Seine Besonderheit besteht darin, daß die Leistung nicht mehr von der Modenstärke abhängt. Die im sibirischen Werk für Chemische Konzentrate in Betrieb genommene Anlage - ein fünf Kilowatt starker Einmoden-Laser - weist rekordverdächtige Parameter auf. Nach neuesten Meldungen beabsichtigen auch deutsche Forscher, eine ähnliche Technik auf den Markt zu bringen. Im sibirischen Werk aber arbeitet der Einmoden-Laser schon mit einer Leistung von sieben Kilowatt. Es laufen Versuche für den Schnitt von dreißig Millimeter dickem Stahl. Dies übertrifft den weltweit üblichen Industriestandard um das Anderthalbfache. Und mehr noch, mit der Anlage gelang der hochqualitative Schnitt einer dreißig Millimeter dicken Titanplatte, was im Vergleich zu den international üblichen sechs bis sieben Millimetern einer Sensation gleicht.

Der Einsatz der Lasertechnologie bietet der Industrie völlig neue Perspektiven. Schon heute dienen etwa siebzig Prozent der Hochleistungslaser dem Metallschnitt. Möglich sind auch Schweißen, Oberflächenverstärkung und Pulverschmelzen. Was aber bringt das Schneiden mit Laser? Ungefähr ein Drittel allen Materials besteht aus Großplatten aus Metall, Kunststoff, Glas und Furnierholz. Alles muß zugeschnitten werden. Die moderne Technologie basiert auf dem stufenweisen Produktionsprozeß. Sämtliche Werke haben Abteilungen für Rohbearbeitung, wo die mehrere Meter langen Platten den ersten Zuschnitt erhalten. Dann folgt die mechanische Bearbeitung an Schnittstanzen oder Fräsen. Ein konkretes und anschauliches Beispiel sind Metallkonstruktionen für Brücken.

Mit dem Laser kann die alte, mehrere Schritte erfordernde Materialbearbeitung durch die direkte Fertigstellung eines Details ersetzt werden. Und das bei einem zehnfachen Produktivitätswachstum und sinkenden Eigenkosten. Es ist eine völlig neue Arbeitskultur, da das System computergesteuert arbeitet. Das alles kann man jetzt bei "ElSib" sehen. Vor einem Jahr wurde dort der am Institut für Theoretische und Angewandte Mechanik entwickelte Laser aufgestellt. Viele technische Prozesse sind weggefallen, und der Produktionsablauf hat sich strukturell verändert. Die Laseranlage arbeitet im Zweischichtensystem.

Auch in anderen Werken beeinflußt die Lasertechnologie mehr und mehr den Produktionsprozeß. Sibirische Laser stehen im Charkower Malyschew-Panzerwerk, wo sie beim Härten von Zylinderhülsen zum Einsatz kommen. Mit Laseranlagen wird sehr erfolgreich auch im Westsibirischen Metallurgiekombinat und im Kurganer Autowerk gearbeitet. Im burjatischen Ulan-Ude soll demnächst ebenfalls eine Anlage in Betrieb gehen.

Am Institut gibt man sich mit dem Erreichten nicht zufrieden. Eine vorerst rein theoretische Forschungsrichtung ist ein Laser mit einer Leistung von zehn Kilowatt. Ein interessantes Vorhaben, bezieht es doch neueste Forschungsergebnisse aus der Aerodynamik von Gas ein, unter anderem einen Ventilator, der nicht nur für die Gasventilation, sondern auch für die Gaskühlung sorgt. Bei der Gelegenheit sei angefügt, daß die Funktionsweise der sibirischen Laser als einzige weltweit auf einem Gemisch aus Kohlendioxid und Luft beruht. Die übliche Mischung setzt sich aus Kohlendioxid, Stickstoff und Helium zusammen. Helium ist ein kostspieliges Gas, weshalb es ungern genutzt wird. Aufgrund der neuen, die Gaszirkulation sichernden aerodynamischen Prinzipien werden die noch zu konstruierenden Anlagen fünf- bis sechsmal kompakter als die heutigen sein.

Eine andere Forschungsrichtung ist die eigentliche Lasertechnologie. In Zusammenarbeit des Instituts für Theoretische und Angewandte Mechanik mit der Nowosibirsker Fluggesellschaft "Sibir" wurde ein Testbüro für Lasertechnik der Sibirischen Abteilung der Akademie der Wissenschaften eingerichtet. Sämtliche Laser, von denen hier die Rede war, entstanden gerade unter Beteiligung dieses Büros. Das wichtigste praktische Ziel sind Laserschweißmethoden für die Flugzeugindustrie. Zur Erinnerung: Vor etwa hundert Jahren waren alle Ozean- und Flußschiffe vernietet. Dann ging man zum Schweißen über. Die heutigen Flugzeuge sind ebenfalls genietet. Ein Airbus beispielsweise hat etwa dreißig Millionen Nieten. Natürlich gibt es Nietroboter, trotzdem bleibt eine Unmenge Handarbeit, was einen Flugzeugrumpf auch so teuer macht. Die Forschungen am Institut für Theoretische und Angewandte Mechanik und die internationalen Erfahrungen zeigen, daß durch Laserschweißen Verbindungen entstehen, die die gleiche Festigkeit haben wie das Grundmaterial. Der Airbus A-340 wird in einer Testphase bereits mit lasergeschweißten Teilen gebaut. Deutsche Forscher bezeichnen das Laserschweißen als "weiche Revolution", die in ihrer Bedeutung in etwa mit dem Übergang von Holz- zu Metallflugzeugen zu vergleichen ist. Verläuft die Arbeit in dieser Richtung erfolgreich, so sinkt der Preis für einen Flugzeugrumpf auf zwanzig Prozent des heutigen Preises - viele Millionen Dollar lassen sich so einsparen.

Am Institut wurde gemeinsam mit dem Sibirischen Forschungsinstitut für Flugzeugbau, dem bereits erwähnten Testbüro und dem Flugzeugwerk Saratow ein Programm zur Herstellung von Teilen erarbeitet, die bei der Jak-40 benutzt werden sollen. Aber beim Flugzeugbau darf niemals über-eilt gehandelt werden. Gründlichkeit ist angesagt. Deshalb werden die Platten nicht nur auf Festigkeit, sondern auch auf allseitige Dauerbelastbarkeit getestet, bevor sie in Flugzeuge eingebaut werden, die den Flugdienst aufnehmen.

Mit der Lasertechnologie zeichnet sich eine Wende in der Materialbearbeitung ab. Vielleicht bedarf es noch weiterer neuer Lasertypen. Fachleute zeigen sich überzeugt, daß sich die Arbeitsproduktivität mit dem Laserfräsen im Vergleich zum Funkenfräsen verhundertfachen läßt. Hier hat die Wissenschaft noch ein weites Feld zu bearbeiten, aber grundsätzliche, den Fortschritt behindernde Probleme stehen nicht im Wege.
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Umfassendes Förderungssystem für die Landwirtschaft

von
Viktor Leonow, Vorsitzender der Gebietsduma des Nowosibirsker Gebiets, Nowosibirsk


Die Landwirtschaft ist ein besonders schmerzhaftes Thema der russischen Wirtschaft. Die Landwirtschaftsbetriebe ersticken in hohen Steuern und niedrigen Absatzpreisen. In Nowosibirsk ist dieses Problem besonders drängend, denn ein Drittel der Bevölkerung des Gebiets lebt von der Landwirtschaft. Betrachtet man die Probleme und Sorgen der Landwirte vor Ort und ist daran interessiert, sie wirklich zu lösen, dann müssen hilfreiche Gesetze verabschiedet und sinnvolle Reformen durchgeführt werden. Eine Reihe von Gesetzen zeigt bereits positive Wirkung.
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