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West-Ost-Jugendfestival: Russisches Haus Berlin

„Puschkintage in Deutschland" - Kulturtage für einen bekannten Unbekannten


West-Ost-Jugendfestival: Russisches Haus Berlin
vom 24. bis 26. September 1999

Der Arbeitskreis Rußlands Jugend in Europa im BDWO plant in Zusammenarbeit mit mehreren Mitgliedsgesellschaften, Städtepartnerschaftsvereinen und Kulturinitiativen ein West-Ost-Jugendfestival, bei dem Jugendliche aus Rußland, den GUS-Staaten und den baltischen Ländern mit Altersgenossen aus den alten und neuen Bundesländern Deutschland sowie mit Gästen aus anderen west- und mittelosteuropäischen Ländern zusammentreffen.

In einer Zeit, in der sich einerseits neue Möglichkeiten der internationalen Verständigung eröffnen und der Prozeß der europäischen Einigung konkrete Formen annimmt, andererseits aber auch Vorurteile und die Angst vor dem Fremden zunehmen, kommt der internationalen Begegnung von Jugendlichen großes Gewicht zu. Jugendliche in West und Ost beizeiten auf die gemeinsame Gestaltung eines friedlichen großen Europas vorzubereiten, eines Europas, in dem die wirtschaftlichen, sozialen und kulturellen Herausforderungen der Zukunft zum Wohle der Menschen gelöst werden müssen, ist eine der dringendsten Aufgaben gegenwärtiger Jugendarbeit und -politik.
Deutschland mit seiner doppelten Geschichtserfahrung und seiner Lage im Zentrum Europas hat eine wichtige Brückenfunktion im Prozeß der europäischen Integration. Das gilt in besonderem Maße für den gewählten Tagungsort, die deutsche Hauptstadt Berlin, die sich nicht allein der geographischen Lage wegen zur Drehscheibe im West-Ost-Dialog entwickeln wird, sondern auch wegen des weltoffenen toleranten Geistes ihrer Bewohner.

Ziele des Festivals: Information - Reflexion - Aktion
Das Festival strebt eine Verbindung von aktueller (jugend)politischer Diskussion und internationaler (jugend)kultureller Aktion an. Mit Informationsbörsen, Diskussionsforen, Aktionen und Workshops, Konzerten und Festen sollen Möglichkeiten für aktive Begegnungen geschaffen werden, aus denen sich neue Handlungsorientierungen und Perspektiven für die Entwicklung eines lebendigen west-östlichen Jugendaustausches ergeben können. Die Ergebnisse sollen in einer Dokumentation („Denkschrift") zusammengefaßt und veröffentlicht werden. Die Veranstalter verstehen das Berliner „West-Ost-Jugendfestival" als Pilotprojekt, aus dem sich ein periodisch stattfindendes Forum des West-Ost Dialogs entwickeln könnte.

Projektkonstruktion Die inhaltlichen Beiträge („Teilprojekte") in den Bereichen „Information", „Diskussion" und „Kultur" werden von den Mitgliedsvereinen beziehungsweise deren Partnern in Ost und West in eigener Verantwortung vorbereitet. In der Regel gehen den Veranstaltungen des Festivals Vorbereitungstreffen von bis zu zehn Tagen bei den jeweiligen deutschen Partnern voraus. So erarbeiten zum Beispiel die jungen Musiker des Rachmaninow-Instituts aus dem russischen Tambow zusammen mit ihren Partnern in Trossingen ein deutsch-russisches Jugendsinfoniekonzert, um es dann auf dem Berliner Festival uraufzuführen. In Ausnahmefällen erfolgt der Aufenthalt bei den deutschen Partnern auch erst nach Abschluß des Festivals. Das gilt unter anderem für die Teilnehmer der „Journalisten-Werkstatt".

Der BDWO sucht weitere Beiträger. Informationen über das „West-Ost-Jugendfestival", aus denen der Stand der bisherigen Planungen hervorgeht, schicken wir Ihnen auf Anfrage gerne zu.
Jörg Bohse, Tübingen, Tel./Fax: 030/20302226


„Puschkintage in Deutschland" - Kulturtage für einen bekannten Unbekannten

Alexander S. Puschkin hat in einem verhältnismäßig kurzen Leben ein großes poetisches Werk geschaffen, das als „umfassend in der Fülle seiner Gattungen, Stoffe und Motive, bedeutend in seiner Aussage, tief und überzeugend in der Empfindung und klassisch vollendet in seiner Form" (L. Müller) angesehen wird .

Puschkin gilt überdies als Schöpfer der modernen russischen Sprache, indem er in seinen literarischen Werken die verschiedenen sprachlichen Einflüsse spielerisch zu einem harmonischen Ganzen verband.

Puschkin-Denkmal
in Tbilissi
Während man in Rußland fast ausnahmslos begeisterte Bekenntnisse zu Puschkin erfährt, und dem Dichter und seinen Werken große Bedeutung für das russische kulturelle Selbstbewußtsein zumißt, zählt er in Westeuropa keineswegs so selbstverständlich zur weltliterarisch bedeutsamen Überlieferung wie etwa Tolstoi und Dostojewski oder die russische Dichtung des 20. Jahrhunderts.

Für Deutschland gar konstatiert man eine problematisch einseitige, nahezu verhinderte Rezeptionsgeschichte: Wurde Puschkin zunächst als romantisch-idyllischer Dichter im Schatten Goethes und Byrons mißverstanden, so wertete das „Junge Deutschland" ihn im Zuge seiner Polenbegeisterung mit dem Vorwurf ab, er sei ein russophiler regierungstreuer Aristokrat.

Freilich gab es daneben immer auch andere, begeisterte Stimmen: Varnhagen von Ense lernte eigens die russische Sprache, um Puschkin im Original lesen zu können. Dabei war es nie allein die Kenntnis der Sprache, die jemanden zum Bewunderer der Puschkinschen Verskunst werden ließ.

Es gehörte immer auch ein offenes Interesse für die russische Kultur, eine „Seelenverwandtschaft" und Sympathie dazu. Rilke beispielsweise hat diese Nähe erfahren und wurde nicht zuletzt deswegen zum kongenialen Mittler russischer Poesie. Thomas Mann schließlich pries an Puschkin den „Europäismus seiner Form" und zählte ihn gar unter die ersten vier seiner Lieblingskollegen.

Obgleich viele respektable Übersetzungen vorliegen, das Leben und Werk des Autors bis in entlegene Aspekte gründlich erforscht wurde, ist Puschkin für das heutige Lesepublikum doch weitgehend ein „bekannter Unbekannter" geblieben. Mit den „Puschkintagen in Deutschland" wollen die Veranstalter einen Dichter für ein größeres Publikum neu entdecken, einen Poeten, der „Leidenschaft mit Weisheit", „berückende Liebe zum Leben mit scharfer Verurteilung seiner Banalität" verband und dem auch das von Gogol geschätzte „Lachen unter Tränen" nicht fremd war.

An der aktiven Programmgestaltung der „Puschkintage in Deutschland" beteiligen sich bislang folgende Vereine des BDWO:

die Berliner Freunde der Völker Rußlands;

der Puschkin-Club Chemnitz;

die Gesellschaft zur Förderung der deutsch-russischen Beziehungen Münster;

die Deutsch-Russische Brücke Bad Homburg;

die Deutsch-Rußländische Gesellschaft Wittenberg;

das Deutsch-Russische Kulturinstitut Dresden;

der Deutsch-Russische Kreis Kontakty Düsseldorf;

die Deutsch-Russische Gesellschaft Rhein-Ruhr/Bergisch Gladbach;

die Deutsch-Russische Gesellschaft Kassel;

die Freundschaftsgesellschaft Sachsen-Anhalt;

die West-Ost-Gesellschaft in Baden-Württemberg.

Interesse für die Übernahme von Teilprogrammen haben bisher angemeldet: die West-Ost-Gesellschaft in Freiburg und die Deutsch-Russische Gesellschaft in Pforzheim;

Den Höhepunkt der „Puschkintage in Deutschland" bildet das dreitägige „Puschkin-Festival Berlin" vom 18. bis 20. Juni im Haus der Wissenschaft und Kultur der Russischen Föderation in Berlin (Friedrichstraße 176-179).

Das Programm des Festivals, eine Verbindung aus wissenschaftlichem Symposium und Kulturfest, strebt einen vieldimensionalen Einblick in Leben, Werk und Wirkung des Autors an. Zur Eröffnung ist am Freitag, den 18. Juni ein Empfang in der Russischen Botschaft geplant. Als Eröffnungsredner wurde Prof. Walter Jens angefragt, der in einem Vortrag „Puschkin trifft Goethe" aktuelle Botschaften eines europäischen Dichtergipfels vermitteln soll. Im großen Saal des Russischen Hauses schließt sich am Abend die Aufführung der Oper „Mozart und Salieri" in der Inszenierung des Rostocker Volkstheaters an.

Der zweite Veranstaltungstag steht unter der Leitfrage „Puschkin heute?": In Plenarvorträgen wird von russischen und deutschen Literaturwissenschaftlern den Fragen nach „Puschkins Bedeutung für die kulturelle Identität Rußlands heute" und den Wegen und Abwegen der Puschkinrezeption in Deutschland nachgegangen. Ein literarisches Streitgespräch, „Erschießt Puschkin!", ausgetragen von Traditionalisten und Postmodernisten diskutiert die These vom „Ende der Tyrannei der Klassik".

„Legenden und Mythen über Puschkin in der Diskussion" sind die Vortrags- und Gesprächsrunden überschrieben, die am 19. Juni nachmittags stattfinden. An ihnen beteiligen sich namhafte Puschkinforscher aus Rußland, Deutschland und Italien. Spannend könnte der fiktive Prozeß „Ermittlungen gegen Georges d´Anthès" werden, in dem Juristen, Historiker, Psychologen und Literaturwissenschaftler den gesellschaftlichen Hintergründen des Duells, das zum frühen Tod des Dichters führte, auf den Grund gehen.

In der „Puschkin-Nacht" gibt es Kleinkunstprogramme in allen Räumen des Russischen Hauses mit Konzerten, Filmen, Rezitationen, theatralischen Märchenpoemen, kulinarischen Extras und Tanz. Der dritte Tag des Festivals ist dem Thema „Puschkin und die Künste" gewidmet. In einer Matinee präsentieren Solisten des Stanislawski Nemirowitsch Dantschenko Musiktheaters aus Moskau Puschkingedichte in der Vertonung russischer Komponisten. In Vorträgen wird die Wirkung des Puschkinschen Œuvres auf Musiker, bildende Künstler, Theatermacher und Dichterkollegen dargestellt. Ein Opernkonzert mit Szenen und Arien aus Eugen Onegin, Mazeppa, Pique Dame, Ruslan und Ludmilla, Alekko und Boris Godunow bildet den Abschluß der Veranstaltung.

Die am Festival beteiligten russischen Künstler stehen für weitere Auftritte im Rahmen der „Puschkintage in Deutschland" zur Verfügung.

Jörg Bohse, Tübingen

Interessenten wenden sich bitte an das Büro des BDWO in Berlin:
Tel./Fax: 030 / 203 022 26





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