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Bis Mai tausend Lebensmittelpakete für russische Kriegsveteranen [ Volltext ]
Dialog der Kulturen in Lutherstadt Wittenberg [ Volltext ]

Bis Mai tausendLebensmittelpakete für russische Kriegsveteranen
von
Walborg Schröder, Bergisch-Gladbach


Die Liga für Russisch-Deutsche Freundschaft in Moskau hat deutsche Familien, Vereine und Organisationen aufgerufen, russischen Kriegsveteranen mit einer Paketaktion zu helfen. Das Ziel ist, für ehemalige russische Soldaten, die am Kampf gegen den Faschismus teilgenommen haben, Spenden zu sammeln. Viele von ihnen leben heute in großer Not. Die Rente beträgt monatlich 2000 Rubel (60 Euro), davon verschlingt rund die Hälfte die Miete. Es gibt kein Pflegesystem, fast keine Altersheime, und die ruinierte staatliche Medizin kann nur wenig Hilfe leisten.

Für 30 Euro (1000 Rubel) kauft die Liga zusammen mit den russischen Veteranenkomitees in Moskau Lebensmittel ein. Konkret sind das pro Paket unter anderem 3 Kilogramm Wurst, 2 Kilogramm Teigwaren, 2 Kilogramm Zucker, 2 Dosen Fleischkonserven, 2 Kilogramm Reis, 1 Liter Öl, 100 Gramm Kaffee, 100 Gramm Tee.

Die Aktion wird von verschiedenen Vereinen unterstützt, unter anderem von der Deutsch-Russischen Gesellschaft Rhein/Ruhr und den Berliner Freunden der Völker Rußlands. Um Geldspenden wird gebeten, um den teuren und komplizierten Transportweg für Lebensmittel zu vermeiden.

Wenn Sie den russischen Kriegsveteranen helfen möchten, überweisen Sie bitte 30 Euro auf folgendes Konto:

Sonderkonto Liga für Russisch-Deutsche Freundschaft/
Aktion Versöhnung bei der Kreissparkasse Köln,
Konto-Nr. 0365005326,
BLZ 37050299.
Kontoempfänger: Schroeder K. H./Liga, Verwendungszweck: Lebensmittelpaketspende.
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Dialog der Kulturen in Lutherstadt Wittenberg
von
Dr. Heinz Wehmeier, Lutherstadt Wittenberg


Das Jahr der russischen Kultur in Deutschland war auch im Landkreis Wittenberg ein Zuschauermagnet. Obwohl die offiziellen Kulturkarawanen aus organisatorischen Gründen an uns vorüberzogen, vermittelten Dutzende Konzerte und Kulturworkshops die Vielfalt und das hohe Niveau russischer Kultur.

Mit stehenden Ovationen feierte das Publikum das Nationalballett "Dagestanka". Vorausgegangen war ein Auftritt, der mit Präzision, Tempo und Schauwert glänzte. Der Zuschauer erfuhren auch viel über die kleine, multinationale Teilrepublik im Süden Rußlands und ihre Haltung zum benachbarten Tschetschenien. Die Tänzer aus diesem leidgeprüften Land: "Wir lieben das Tanzen und Singen, und unser Volk würde nie Krieg führen. Diejenigen, die es tun, wollen nur Geld machen." Dieses Bekenntnis zur Heimat und zur unverwechselbaren eigenständigen Kultur wurde auch beim anschließenden Beisammensein mit unseren Vereinsmitgliedern zu einem wertvollen Erlebnis.

Von bisher nicht gekanntem Erfolg war ein deutsch-russischer Tanzworkshop geprägt. Zu den Erfolgsgaranten zählen: Kontinuität, Fachkompetenz der Teamer und künstlerischen Leiter, Gestaltung des Programms und Harmonie unter den teilnehmenden Jugendlichen. Die Einheit von gemeinsamem Erarbeiten der Choreographien, des Trainings, der Auftritte und Freizeiten hat in den letzten Jahren Jugendliche verschiedener Sprachen, Tanz- und Musikphilosophien zu einem Team zusammenwachsen lassen. Besonders der Tagesaufenthalt im Kinderheim Pretzsch wird unvergessen bleiben. Statt Folklore erlebten die begeisterten Heimbewohner, wie sich thematische Tänze durch moderne Musik in einem einstündigen Feuerwerk ausdrücken lassen.

Die Sprache der Musik und Bewegung war so verständlich, daß sich Unwissen und Vorurteile über ein fremdes Land in Sympathie und eigene Motivation verwandelten. Die Gastgeber zeigten, frühere Hemmungen abwerfend, ein begeistert aufgenommenes Break-Dance-Programm. Anschließende Adventsgastfreundschaft in den schmucken Wohneinheiten und ein kampfbetonter Sportvergleich ließen einen Tag schließen, der bei allen Beteiligten nur einen Wunsch offenließ: do swidanija in Mozyr.

Für die Teilnehmer der Jugendbegegnung ging die Woche weiter mit viel Schweiß beim Training, Applaus bei den Auftritten und unvergeßlichen Eindrücken beim Besuch von "Aida" in der Oper Berlin. Der schrecklichste Teil des Tanzworkshops bekam viel Tränen und wurde po-russki versüßt: für jeden drei Küßchen. Man war sich näher gekommen. Eine erfreuliche Beobachtung, die wir seit geraumer Zeit machen: die junge Generation aus West und Ost wächst mit ihren gleichen Vorstellungen und Idealen viel schneller zusammen.

Etwas abseits vom Trubel der Reformation gastierte ein Studentenchor aus Mogiljow in einigen Dorfkirchen des Kreises. Viel Applaus belohnte die meisterhafte Stimmbreite des Chores Harmony, der sakrale, klassische und moderne Lieder bot. In allen Kirchen reichten die Plätze nicht - erstmalig waren internationale Künstler im Dorf. Seit zehn Jahren gastiert der orthodoxe Männerchor des Heiligen Wladimir aus Moskau in Deutschland. Die acht stimmgewaltigen Herren aus der russischen Hauptstadt führten in der Stadtkirche Wittenberg die 130 Teilnehmer der Bundesrussischolympiade in die geheimnisvolle und unsere Seele erwärmende Welt der russischen Kirche. So wie die Herren in unvergleichlich verdienstvoller Art und Weise seit Jahren in vielen Teilen Deutschlands ein Stück Ökumene leisten, so begann für die Deutsch-Russländische Gesellschaft das Jahr 2004. Anne-Dore Baumgarten, Kirchenmusikdirektorin der Schloßkirche zu Wittenberg, und der Musikschüler der katholischen Gemeinde Florian Lürken gaben am 6. Januar 2004 in der Nacht des orthodoxen Festes Christi Geburt in der katholischen Kirche von Mogiljow/Belarus ein Orgelkonzert. Fast zehn Jahre mußten die Musikliebhaber auf Bach, Buxtehude und andere Komponisten, gespielt von einem Kirchenmusiker aus der "Fast"-Partnerstadt Wittenberg, warten. Sie waren ebenso begeistert von deutscher Kirchenmusik wie beide Solisten von der Professionalität russischer Musikkultur, den prachtvollen Kirchen und der unbeschreiblichen Gastfreundschaft und Herzlichkeit der Menschen im tiefen "Russischen Winter".

Auch 2004 warten Künstler und Zuschauer in Ost und West auf die Fortsetzung des Dialogs der Kulturen und eine glückliche Hand der staatlichen Stellen und Stiftungen für eine Förderung der Kulturbegegnungen. Die Sehnsucht in Deutschland und in Osteuropa ist noch größer geworden.
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